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Zum ersten mal flog ich mit einer kleinen Studienreisegruppe 1972 für eine Woche nach Istanbul. Das war meine allererste Reise an den Rand Europas und ein wenig darüber hinaus nach Asien. Unser Hotel lag sehr laut in der Nähe des Bahnhofes. Diese Stadt gefiel mir so sehr, dass ich mich 1979 entschloss, mich für eine Woche allein in Istanbul umzusehen. So konnte ich in Ruhe mit dem Linienschiff ganztags den Bosporus hinauf und hinab fahren, nach Üskudar hinüber oder zu den Prinzeninseln, mir ansehen, was ich wollte und sitzen bleiben, wo es mir gerade gefiel.
Istanbul wurde damals zu meiner Traumstadt.
Bereits 1990 kam ich wieder in "meine" Stadt, diesmal nur kurz als Zwischenstation während der Reise in die Osttürkei ins Kaskar-Gebirge und zur Besteigung des Ararat mit den Ulmer Freunden.
Manchmal denke ich daran, wieder einmal dahin zu fahren. In diese besondere Luft am Bosporus. In diese so ganz einzigartige Stadt. Vielleicht nach 35 Jahren...? Und einmal wieder durch die Strassen laufen und die Bilder mit denen von damals vergleichen...
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Istanbul, Osttürkei, Ararat
Die Luft riecht in Istanbul anders. Vom Hotel bin ich zu Fuß in einer halben Stunde an der Hagia Sophia.
Istanbul, Hagia Sophia
In der blauen Moschee steht ein Gerüst. Hier sind die meisten Reisegruppen. Danach gehe ich hinunter zur Galata-Brücke. Das Hotel Hayyam, in dem ich vor 7 Jahren (1972) wohnte, ist eine halbe Ruine. So schnell geht das hier. Man hat das Gefühl, die Altstadt zerfällt.
Es gibt keine Geldwechsler mehr auf den Straßen, der Kaffee ist ausgegangen wegen Devisenmangel. Am Basar vorbei zur Rüstem Pascha Moschee, die man nur auf Schleichwegen erreicht. Süleymaniye Moschee. Zu der im Merian-Heft so schön fotographierten Pantokrator Kirche. Die Kirche ist auch verfallen. Niemand ist da. Bis ein Student aufschließt und mir die Kirche zeigt. Ich gehe noch einmal zum Goldenen Horn, zur Fatih Moschee. Ich spüre meine Füße.
Istanbul, Basar
Sonntagmorgen durch den geschlossenen Basar zu den Anlegestellen der Schiffe nach Usküdar. Ein Taxi bringt mich zum Aussichtsberg Camlica und zurück. Nach einer Cola und einer Sesambrezel schaue ich in die Yeni Valide Cami. Es gibt einen Markt und später am Bosporus habe ich das ganze sonnenbeschienene Panorama Istanbuls vor mir. Mit der Autofähre fahre ich zurück, esse unter der Galata-Brücke. Wolken ziehen auf, es wird kühl. Die Stadt wird diesig vor schmutziger Luft.
Am nächsten Tag ist das Wetter nicht vielversprechend. Ich gehe auf die Suche nach dem Stadtteil Kumkapi. Den Dorfplatz mit dem Brunnen und den kleinen Hafen finde ich. Es ist viel Bewegung auf den Straßen. Nach einem Tee öffnet mir jemand die Tür zur Kleinen Hagia Sophia. Was ist das für eine Stadt? Halb verfallen und doch so voller Leben.
Istanbul, Festung Rumeli Hisar, Bosporus
Als die Sonne wieder hervorkommt, fahre ich zu den Prinzeninseln. Da gibt es eine Welt ohne Autos! Es fahren nur Pferdedroschken. Ich esse in einem kleinen Restaurant am Uhrplatz. Später spaziere ich in Istanbul noch ein wenig durch die Märkte. Die Sonne scheint und Stadt strahlt.
Das Wetter will nicht mehr. Zu Fuß laufe ich schließlich nach Eyüp. Es regnet, die Straßen werden schlammig. Auch die Moschee in Eyüp wird renoviert. An der Schiffsanlegestelle stinkt es barbarisch. Das ganze Goldene Horn ist eine einzige Kloake. Auf der Rückfahrt zur Galata-Brücke sieht man beidseitig am Ufer überall verrostete Schiffe.
Gerade um die Mittagszeit komme ich in die Hagia Sophia. So beeindruckend habe ich sie noch nicht erlebt. Kaum ein Tourist ist da. Später die Süleyman-Moschee kurz vor der Gebetszeit ist auch beinahe menschenleer. Was für Eindrücke in dieser einzigartigen Stadt!
Istanbul, Hagia Sophia
Meine Reise in die Osttürkei 1990 begann mit dem Gaishorn in den Tannheimer Bergen. Ich kam einen Tag früher nach Weissenhorn und es zog mich am Samstag noch einmal in unsere Berge. Von Kienze stieg ich in 2:20 Stunden zum Gipfel. Auf einem Rundweg ging ich über die Roßalpe hinab nach Tannheim. Eine Superwetter und ein Auftakt wie gewünscht.
Wir starteten Sonntagnacht um 1 Uhr über Ulm nach München. Um 10 Uhr landeten wir in Istanbul, meiner Traumstadt, in der ich bereits vor 11 und vor 18 Jahren war. Nach einem Besuch von Rumeli Hisar und den Bosporus flogen wir nach Ankara. Mit dem Bus fuhren wir weiter nach Erzurum und tags darauf über Jusufeli zum
Fahrt nach Yusufeli
Fahrt zum Kackar
Wir durchfuhren eine ungeahnt bunt blühende frühlingshafte Landschaft, später durch Flußoasen. Die erste Nacht mußten wir improvisieren, da wir Seesäcke mit einigen Zelten im Hotel vergessen hatten. Ich schlief unter freiem, sternenklaren Himmel. Der Bach rauschte laut, der Mond leuchtete fast voll, erst gegen Morgen wurde es etwas feucht vom Tau. Unser Busfahrer war zum Frühstück mit den zurückgelassenen Seesäcken wieder im Lager. Er war fast ununterbrochen die ganze Nacht hindurch gefahren. Eine ganz besondere Leistung für uns Fremde. Wer würde das in unserem Land tun - wo doch alles (auch die Fahrzeit) so wunderbar geregelt ist?
Zum Basislager am Kackar
Dreieinhalb Stunden wanderten wir zum Hochlager in 2800 m Höhe. Überall blühten die Wiesen und rauschten Bäche. Mein gestriger Durchfall von dem starken Tee war wieder vorüber. Schneereste reichten bis an den Rand des Lagerplatzes. Selbst nachts war es noch angenehm warm.
Für die 1100 Hm zum Gipfel des Kackar benötigten wir 6 gemütliche Stunden. Der Weg hinauf verlief in einer weiten, langen Schleife. Ein breiter Firnhang führt zum Gipfel (3937 m). Aber der Bergführer Ibrahim wählte lieber den Weg durch die Felsen und Geröll, einen Steinbruch hinauf. Er wollte auch zum Abstieg dort wieder hinab. Ich suchte mir einen anderen Weg über den Firnhang, holte den Luis ein, nahm das Ehepaar, das er am Seil hatte, mit, so daß Luis im Steinbruch zusätzlich sichern konnte.
Zum Kackar, 3937 m hoch
Am Tag darauf übernachteten wir in Jusufeli im Gästehaus der Stadt, das nun auch für Touristen geöffnet war. Früher durften dort nur hochkarätige Funktionäre und Ausländer übernachten und zur Jagd gehen. Das Abendessen in Jusufeli war hervorragend, die Gipfelfeier danach oben im Haus endlos mit viel Raki.
Fahrt nach Kars
Kars war keine schöne Stadt, aber die Fahrt dahin führte durch eine bizarre Landschaft voller Farbe. Die Kuppel einer an der Straße gelegenen georgischen Kirche war 1982 bei einem Erdbeben teilweise eingestürzt. Danach wurden die Hügel sanfter, erinnerten an die Rhön. Die Ruinen von Ani lagen direkt an der russischen Grenze und stehen seit der Jahrtausendwende. Auf dem Weg nach Dogoubayazit stand der Ararat groß und klar im Himmel. So hatte ich diesen Berg nicht in Erinnerung. Vor 16 Jahren hatte ich keinen Gedanken daran verschwendet, je einmal da hinaufzusteigen, so fern und hoch schien mir der Gipfel, jenseits meiner Reichweite.
Der Ararat, 5137 m hoch
Zum Basislager stiegen wir - wie immer wenn es irgendwo sehr warm ist - natürlich in der größten Mittagshitze. Zweieinhalb Stunden ab 12:30 Uhr bis auf 2800 m.
Aufstieg zum Basislager
Nahe dem Touristencamp befand sich ein Militärlager zum Schutz der Touristen gegen Terroristen und Diebe. In unserem Lager gab es sogar Bier, da man mit dem Jeep bis hierher fahren kann. Ein halboffenes, kühles Nomadenzelt dient als Speiseraum. Am Lagerfeuer sangen und tanzten die Türken. Auch die Ulmer kannten einige Lieder.
Ararat, am Basislager
Um 8:30 Uhr zogen wir in 4 Stunden hinauf zum Hochlager auf 4100 m. In der kommenden Nacht standen die ersten schon um 1 Uhr auf, da es sich bewölkte. Ich weiß nicht, warum jeder Aufbruch um diese Nachtzeit immer hektisch verläuft. Kurz nach 2 Uhr stolperten wir den Geröllhang hinauf. Es wurde bald hell und immer kälter. Oben blies ein eisiger Wind. Wir standen um 5:45 Uhr am Gipfel.
Aufstieg zum Ararat
Mir war es schon lange nicht mehr so kalt. Wir gingen recht langsam und ich kam nie recht auf Betriebstemperatur. Es war stürmisch und bewölkt, es gab keine weite Aussicht, aber es war trotzdem schön auf diesem besonderen Gipfel stehen zu können.
Gipfel des Ararat
Der Abstieg zum Bus dauerte. In Dogoubayazit gab es ein Mittagessen.
Freitagfrüh fuhren wir mit dem Bus 270 km nach Erzurum und flogen von dort in eineinviertel Stunden nach Istanbul. Nach dem Abendessen spazierten wir durch Aksaray und Kumkapi. Ich glaube, da kann man auch privat ganz gut wohnen. Ich spürte schnell wieder den besonderen Reiz Istanbuls.
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