China

Erst viereinhalb Jahre nach der China-Reise 1999 begann ich mit diesen Aufzeichnungen. Ich glaubte lange, nicht die passenden Bilder zu haben und nicht die rechten Worte.
Zwei große Zufälle führten die Renate und mich zusammen: Einmal war ich der letzte Reiseteilnehmer, den die Sigrid aufnahm, und das auch nur nach einem eher zufälligen Telefongespräch. Die Renate sprang für eine Reiseteilnehmerin ein, die nicht mitreisen konnte. So war auch Renate’s Freundin Inge ein wenig daran beteiligt, Renate zu begeistern dass sie da mitfuhr. Das war ihre weiteste Reise bisher.


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Ich ging nicht mehr mit dem Nebengedanken auf eine Reise, dort vielleicht doch eine Lebenspartnerin zu finden. Diesen Gedanken hat ein Alleinstehender ja doch irgendwie immer im Hinterkopf. Jetzt kam ich da als Nichtpfälzer zu dieser Reisegesellschaft. Und niemand wusste mich einzuschätzen. Es regelte sich alles nach und nach. Ich war zuerst einmal kein Tänzer in der Bar in Peking für genauso alleinstehende Damen unserer Reisegruppe. Ich stand gelegentlich immer einmal irgendwo und bemühte mich ein Bier zu finden, auch einmal an einem chinesischen Kiosk. So kam ich locker und unbeschwert durch die Tage. Es waren wirklich für mich befreite Tage. So ist das vielleicht: Wenn man nicht mehr sucht, hat man mehr Glück etwas zu finden.


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Peking

Also hatte ich mich ungeahnt, was auf mich zukäme, bei der Volkshochschule in Landau/Südpfalz zu einer Reise nach China angemeldet. Die Sigrid buchte auf meine kurzfristige Anfrage für mich den letzen Teilnehmerplatz.

Peking besichtigten wir zuerst. Ein Höhepunkt war der Besuch der Grossen Mauer. Wir besuchten die Ming-Gräber, den Kaiserpalast und alles, was sich für einen ordentlichen Tourist gehört. Abends gingen wir in eine Peking-Oper und aßen natürlich auch eine Ente aus Peking.


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Der Lama-Tempel ist besonders schön. Unsere örtliche Reiseleiterin in Peking war wirklich perfekt. Sie sprach sehr offen trotz des uns zugeteilten „Spions“ der Regierung. Ich fragte sie einmal, ob man den Dalai Lama verhaften würde, wenn er aus seinem Exil nach Tibet zurück käme. Sie meinte, dass die chinesische Regierung sich das nicht mehr erlauben würde.


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Lama-Tempel in Shanghai

Xiang steht für die einzigartige Terracotta-Armee. Tausende Krieger hat man damals in Lebensgröße dargestellt und jeder davon mit einem anderen Gesicht. In diesen heiligen Museumshallen darf niemand fotographieren.


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Xiang

Nach dem Abendessen in unserem noblen Hotel wollen wir (4 Frauen und ich) noch ein wenig in die Stadt gehen. Wir fassen uns Mut und ziehen los. Es ist nicht weit bis zu einem größeren Platz, wo uns eine junge Frau anspricht, ob sie uns helfen kann. Sie ist Studentin, spricht gut englisch und wir erklären, dass wir noch ein Lokal suchen, wo wir etwas trinken können. Sie wirkt so unbekümmert und offen, dass wir uns nahezu bedenkenlos ihrer Führung anvertrauen. Wir gehen in eine Seitengasse, die wirklich sehr chinesisch aussieht. In einem Lokal werden wir ganz besonders zuvorkommend bedient. Wir erhalten auch noch einige kleine Fleischspieße, die hervorragend schmecken, auch wenn ich ein paar mitessen muss, weil sich nicht jeder getraut. Natürlich ist die Renate da schon dabei. Alle haben einen lustigen Abend und die chinesiche Studentin nennt mich schließlich den „monkey king“, weil ich so viele Haare an den Armen habe und sie mich für den „Chef“ der Damentruppe hält. Sie meint, dass ich ihr hoffentlich deswegen nicht böse sei. Danach führte sie uns noch in ihre Kunstschule, nicht weit von diesem Lokal. Und sie zeigte uns wunderschöne, in dieser Schule hergestellte Bilder, von denen wir einige erstanden.

Wir waren ein wenig näher mit den Menschen in Kontakt gekommen.

Ich hatte mich zu dem Tisch hingezogen, wo die Renate, Inge und noch einige saßen, die etwas lebhafter waren. Ausserdem trank die Inge kein Bier, die Renate selten. Da jeder nur ein Glas Bier erhielt pro Abendessen, übertrugen die beiden mir ihre Ration und so war ich gut aufgehoben. Einmal dachte ich: Die Renate könnte mir gefallen. Aber dann meinte die Inge in einem anderen Zusammenhang: „Wir haben alle unsere Männer.“ Also dachte ich nicht mehr weiter an die Renate.


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Shanghai

Shanghai war unser letztes Ziel und die allergrösste Überraschung für uns. Ich hatte auch nicht mit dieser Skyline gerechnet. Der Bund – die Flaniermeile der Leute auf der anderen Seite des Flusses – ist der Gegensatz dazu.


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Shanghai, Bund

In Shanghai fing alles an. Als Renate und ich am Bund entlang spazierten, kamen wir zwei alleine ins Gespräch. Die Reiseleiterin hatte Mühe in dem Trubel ihre Gruppe nicht zu verlieren. Renate und ich gingen gedankenlos den Menschen nach über eine Straßenbrücke. Wir bemerkten gar nicht, dass wir verkehrt waren. Plötzlich lief uns Sigrid nach und holte uns zurück. Nach einer Theater-Aufführung am Abend gingen einige wenige Standhafte in das unserem Hotel benachbarte Hard Rock Cafe. Mir wurde klar: Wenn ich jetzt nicht mit der Renate tanzte, hatte ich sie wohl verloren. Wir tanzten und waren seither zusammen.


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