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Dauphiné 1988


La Bérarde liegt 1711 m hoch. Schon die Anfahrt mit dem Auto ist ein Abenteuer. So schmal ist die Straße und steil fällt die eine Seite tief hinab bis zum Fluß. Dieser Vorgeschmack überraschte mich ebenso sehr wie alles in den folgenden Tagen: Ein wildes Gebirge. Und die Berge: Barre des Encrins (4102 m) und La Meije (3982 m). Ich glaubte, genug trainiert zu haben, auch das Klettern mit Steigeisen. Die benötigten wir dann auch den Grat zum Gipfel der Barre des Encrins.



La Bérarde - La Meije


La Meije, der Grat zum Gletscher, der weiße Punkt unten ist die Hütte.

Die ersten Touren waren 6-8 Stunden lang. Später dann 10-12 Std. mit Kletterstellen. Da war der Mont Gioberney noch ein "Spaziergang" II-III.


Zur Refuge de la Pilatte - zum Mont Gioberney.

Nach der L'Ailefroide Orientale und dem Mont Pelvoux stand das erste große Ziel dieser Woche an: Über die Refuge Cezanne zur Refuge des Ecrins.



Die Hütte liegt 3170 m hoch und nicht jeder verträgt diese Höhe. Im Dunkeln stiegen wir die Felsen hinab zum Glacier Blanc. Beim Sonnenaufgang umgab uns ein unfassbares Farbenspiel. Das gibt es nirgends, nur so hoch und früh in den Bergen. Der Dome de Neige des Ecrins, 4015 m hoch, ist der Vorgipfel. Wir bereiteten uns vor, über dem Grat zum Gipfel der Barre des Encrins (4102 m) zu gehen. Mit den Steigeisen kletterte ich zum ersten mal über solch kombiniertes Gelände. Das erste Stück hatte ich etwas unterschätzt. Manchmal konnte ich mich nur in Schnee und Eis festhalten. Meine Handschuhe lagen am sicheren Ort im Rucksack.





Nach einer Übernachtung in la Bèrarde wartete La Meije auf mich. Wie so oft in diesen Tagen stiegen wir in der Mittagswärme hinauf zur Refuge du Chatelleret. Erst danach wurde es ein wenig kühler. Der Schreck war groß, als ich den Promontoire-Grat vor mir sah. Die Promontoire-Hütte haftet wie ein Adlerhorst am Grat (3092 m hoch).


Man teilte sich die Enge. Alles geschah in einer erhabenen Ruhe, als dulde die Meije keinen hektischen Lärm unter sich. In solch besonderen Hütten, auf denen die Bergsteiger ein so hohes Ziel erwartet, habe ich immer das Gefühl, daß hier nie ü,berflüssige Worte gewechselt werden. Jeder weiß wohl, was ihn erwartete und daß es am nächsten Tag viel Kraft braucht. Gegen 4.30 Uhr kletterten wir los. Mit den Stirnlampen lief das ganz gut. Ich brauchte nur dem Strick zu folgen. An den schwierigen Kletterstellen bildeten sich kleine Staus. Die Seile kreuzten sich. Die Knoten in den Seilschaften lösten sich aber alle wieder auf. Als wir das Schneefeld erreichten, hatten wir alle Seilschaften, die bei uns waren, überholt. Der letzte Felsaufschwung hat zum Schluss noch eine kleine Reitsitzpassage. Am Gipfel löste sich die Spannung in mir nicht, lag doch noch ein Riesenabstieg vor mir.

Wir benötigten fünfeinhalb Stunden zum Gipfel (3982 m), dreieinhalb Stunden hinab zur Hütte und weitere zwei Stunden nach la Bérarde.


La Meije, der Blick vom Gipfel zur Barre des Encrins



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