Kenia

Mount Kenia Umrundung

Im August 1984 reiste ich zum Mount Kenia, einem weit über 5000 m hohen Bergmassiv. Wir besuchten einige Wildparks und umrundeten danach in einigen Tagen das Mount Kenia Massiv. Wir bestiegen den Point Lenana. Nach den Erfahrungen am Kilimanjaro fühlte ich mich hier viel besser. Der Point Lenana ist ja auch nicht so hoch. Ich hatte ja auch einiges gelernt: Pole Pole! Das ist am Wichtigsten, wenn man so hoch in die Berge steigt: Langsam gehen und noch viel langsamer wie man es sich denken kann.

Um 7 Uhr Ortszeit landen wir in Mombasa und fahren im strömenden Regen zum Myali Beach Hotel. Die Regenschauer halten an, aber um 15 Uhr bade ich schon einmal im Indischen Ozean. Wir bleiben einen Tag in Mombasa, reservieren uns Plätze im Nachtzug zurück von Nairobi nach Mombasa. Während einer Bierpause im Manor-Hotel reservieren wir dort auch gleich ein Zimmer für den Tag der Ankunft aus Nairobi. Wir mieten einen Toyota Carolla mit Fahrer für 7 Tage. Um 14 Uhr ist endgültig Abfahrt zur Salt Lick Lodge, die wir um 18 Uhr nach einer ersten Reifenpanne erreichen. Das Hotel gehört zur Hilton-Kette. Von den Terrassen des Hotels kann man die Tiere beobachten, wenn sie zur Wasserstelle kommen. Wir sehen eine Löwin mit drei wackligen Jungen und über 50 Elefanten nacheinander. Es beginnt zu zirpen, ein kühler Wind weht.

Am nächsten Tag geht es zum Game Drive im Umkreis der Lodge. Die Elefanten finden wir nicht. Nach dem Mittagessen in der Taita Hills Lodge erreichen wir am Abend die Ngulia Lodge. Nach dem Maktem-Gate fahren wir auf schnurgeradeer Piste und bekommen gemäßigt den roten Staub der Piste zu spüren. Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich, von Lawa-Gebieten mit schwarzen Straßen bis zu aufgetürmten Wällen aus Bimstein.

Von unserem Balkon sieht man über die Aussichtsterrasse auf ein kleines Wasserloch, an dem man die Tiere beobachten könnte, wenn die Touristen im Restaurant nicht so laut wären. Vor dem Frühstück kommen dann doch noch ein paar Elefanten. Später zieht eine riesige Büffelherde am Hotel vorüber. Game Drive ist von 8:45 bis 13 Uhr. Wir kommen zum Ngulia Safari Camp und haben eine kurze Pause in der Kilanguni Lodge. Vom offenen Restaurant bietet sich uns ein Super-Blick. Weiter zum Kitani-Safari-Camp und zum Aussichtshügel Poachers View mit einem besonderen Blick über die Lawa-Landschaft. Am Nachmittag ist Game-Drive von 15:30 bis 18:45 Uhr. Zum Abschluß bei tiefstehender Sonne steigen wir auf den 40 m hohen Hügel Roaring Rock mit kolossaler Aussicht.

Am nächsten Vormittag queren wir Shetana Lava Flow auf einer sehr üblen Straße. Danach rasen wir durch Masai-Land. Offiziell ist es verboten, Masai zu fotographieren. Es gibt jedoch speziell gekennzeichnete Dörfer, wo dies für Geld erlaubt ist. Wir wollen nicht. Auf der Straße hat eine Masai-Frau ihren Busen gezeigt, um uns zum fotographieren zu überzeugen. Es ist immer dasselbe Lied. In 4 Stunden erreichen wir ordentlich durchgeschüttelt die Amboseli Serena Lodge. Game Drive ist erst um 16 Uhr. Es ist zu trocken und wir sehen keine Tiere. „Ich glaube, ich werde bald nur noch Berge besteigen“, schrieb ich ins Tagebuch. Das Wetter ist schlecht, wir können den Kilimanjaro nicht sehen.

Wir fahren nach Nairobi. Die Bremsen blockieren mehrmals. Klopfen mit einem Stein hilft. Kurz bevor wir die asphaltierte Hauptstraße erreichen, geht ein Reifen kaputt. Wir rollen gerade so in eine Tankstelle. In Nairobi im Büro verhandeln wir über unseren weiteren Reiseverlauf. Zuerst ist man ratlos. Aber nach Hinzuziehen der Chefin werden alle Probleme gelöst. Mit einem Datsun Minibus brausen wir im Eiltempo zum Aberdare Country Club, von dort im „Special Transport“ nur mit Rucksack zur Ark Lodge. Die Aussichtsterrasse liegt vor einem großen morastigen Wasserloch. Elefanten, Büffel, Rinos und Warzenschweine flanieren vor der Ark. Die Touristen sitzen diesmal im Käfig. Die Hütte liegt 2300 m hoch. Abends zieht Nebel mit kühlem Nieselregen auf.

Tags darauf ist im Park Game Drive von 7:30 Uhr bis 13 Uhr auf Sonderkosten. Ein junger Afrikaner gibt sich viel Mühe, findet aber auch nur wenig Tiere. Das Wetter ist zu schlecht. Wir durchfahren eine schöne, gespenstige Landschaft im Nebel, ein richtiger Urwald mit vielen Wasserläufen. Danach fahren wir über die Thompson-Falls zur Safariland-Lodge an den Naivasha See. Nach dem Lunch sitze ich seit langem einmal wieder in der warmen Sonne und pflege meinen Schnupfen.


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Mount Kenia

Nächste Station ist die Naro-Moru-Lodge. Zur eigenen Überraschung können wir nach dem Lunch mit unserer Bergtour zum Mount Kenia beginnen. Der erste Wandertag besteht aus einer Autofahrt zur Met-Station, die wir gegen 16 Uhr erreichen. Unsere kleine Holzhütte liegt 3048 m hoch. Durch den schnellen Aufbruch sind wir wieder in unserem vorgefaßten Zeitplan drin. Auch das gibt es in Afrika.

Die Nacht war fast noch zu warm. Um 7:30 Uhr ziehen wir los. Pole, pole durch den Regenwald. Dann wird der Bewuchs spärlicher, Nebel zieht auf. Wir benötigen 7 Stunden bis Mackinders Camp, 4 – 6 Stunden sei normal. Es hat mehrmals geregnet und gehagelt. Gut angefeuchtet erreichen wir unsere Zelte. Es gibt ein großes Küchenzelt, ein Steinbau wird gerade errichtet. Abends bessert sich das Wetter. Die Nacht ist ruhig. Erst wenn man aus dem Schlafsack kriecht, kommt die Kälte. Bald geht es 1 1/2 Stunden steil hinauf zur Two Tarn Hut, die 4490 m hoch liegt. Vom nächsten Col sehen wir weit hinunter auf die beiden Seen und den erschreckend steilen Aufschwung zum Hausberg Col (4591 m). Um 13:30 Uhr erreichen wir die Kami-Hut (4439 m). Insgesamt gehen wir 5 Stunden. An den beiden Seen warteten 10 Männer, um einen abgestürzten Engländer zu bergen.

Um 3:15 Uhr ist Wecken, 4 Uhr Abmarsch zum Simba Col über Felsen und viel Geröll. Es ist nicht sehr kalt. Erst als es hell wird, kommt ein eiskalter Wind auf. 4 Stunden gehen wir bis zur Austrian Hut. In der Hütte wärmt man sich in der Windstille. Danach sind die Doris und ich in 1 Stunden am Gipfel des Point Lenana (4985 m). Beim Abstieg über das steile Geröllfeld zu Mackinders Camp weiß jeder, was er getan hat. Um 12 Uhr sind wir am Camp. Die ganze Nacht hindurch stürmt es. Man meint, das Zelt wird weggerissen. Wir haben kein Auge zugetan. „Das braucht man immer einmal, damit man noch weiß, was schön ist“, schrieb ich ins Tagebuch. Die Entschädigung ist der Abstieg durch das Teleki-Valley in besonders prächtigem Morgenlicht. Es gibt immer Mühen, die man auf sich nehmen muß, um so etwas sehen zu können.


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Point Lenana
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Vom Gipfel: Austrian Hut und Teleki Valley

Unser Cottage in der Naro Moru Lodge liegt 5 Minuten vom Haupthaus. „Ich kann sitzen und einen halben Tag gar nichts tun, nur Bier trinken, etwas schauen und den Gedanken nachgehen. Man muß ganz einfach irgendwann immer wieder einmal eine Anstrengung vollbringen, damit man wieder ein Mensch wird.“

Tiefschlaf bis 7 Uhr. Ein Bus bringt uns nach dem Lunch nach Nairobi ins Norfolk Hotel, eines der „Leading Hotels of the World“. Das Abendessen haben wir im Hotelrestaurant mit Klaviermusik und feineren Gästen (auch Afrikaner) als wir es sind.

Bei dem Ausflug zu den Ngong-Hills werden wir von zwei bewaffneten Polizisten begleitet, damit wir bei unserem Spaziergang nicht von Dieben überfallen werden.

Der Abendzug verläßt Nairobi pünktlich um 19 Uhr. Nach dem 1. Abendessen im Speisewagen sitzen wir mit einer Flasche Rotwein am Zugfenster und rauschen bei Vollmondlicht durch die afrikanische Savanne. Um 8 Uhr morgens fahren wir in den Bahnhof von Mombasa ein. Es ist feucht und warm. Nach dem Frühstück im Manor-Hotel finden wir nach einigem Suchen ein Büro, das Bus-Tickets für eine Fahrt zur Insel Lamu verkauft. Abfahrt morgen um 7 Uhr. Wir können sogar vom Manor Hotel ein Zimmer auf Lamu in Petleys Inn reservieren lassen. Auf der Asphaltstraße sind wir in 2 Stunden flott in Malindi. Danach benötigen wir für nochmals die gleiche Strecke auf einer Piste 6 ½ Stunden. Unterwegs müssen wir zwei Fähren bemühen. Es rappelt und lärmt im Bus. Ein Boot bringt uns schließlich auf die Insel, es wird 17 Uhr. Auf Lamu gibt es keine Autos, die Straßen sind abends nur spärlich beleuchtet. Abends esse ich im Equator-Restaurant meinen ersten Lobster.

Wir haben zwei Tage in Lamu. Wir spazieren durch den Ort, die Küste entlang nach Shella, vorbei an Peponis Inn zum unendlich weiten, menschenleeren Strand Whitesands. Nachmittags buchen wir einen Flug nach Malindi. Den Bus wollen wir uns nicht nochmal antun. Mit einer 6-sitzigen Piper erreichen wir Malindi in einer halben Stunde. Die Maschine fliegt recht tief über die Landschaft, ein Erlebnis für sich. In Malindi beziehen wir das Lawford Hotel. Es reicht sogar noch für einen Sprung ins Meer bei gutem Wellengang. Am nächsten Tag übernachten wir nochmals im bewährten Manor Hotel in Mombasa. Das letzte Geld geben wir zum Abendessen aus, später noch für Kenia-Wodka. Dann heißt es um 6 Uhr Aufstehen. Abflug ist pünktlich um 9 Uhr. Nun schauen doch noch einmal Kibo und Mawenzi aus den Wolken.