Peru – Bolivien

Cordilliera Blanca, Huayna Potosi, Condoriri, Trekking nach Machu Picchu

Während meiner ersten Reise im Juli 1981 lagen die Schwerpunkte auf dem Trekking nach Machu Picchu und Besichtigungen in Lima, Cusco, Titicaca-See und La Paz. Dies gefiel mir so sehr, dass ich beschloss zusammen mit den Freunden aus Ulm im Juli, August 1989 nochmals nach Peru und Bolivien zu reisen. Diesesmal mit einem Trekking in der Cordilliera Blanca und der Besteigung des Nevado Copa, 6188 m. Meine Reiseerzählung beginnt damit. Die Reise von 1981 ist in dem zweiten Abschnitt beschrieben.


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Alpamayo Chico (5400m)

Von Lima erreichten wir nach 9 Stunden Fahrt Huaraz, 3125 m hoch, das Hostal Andino, Chalet Suisse, ein Bergsteigertreffpunkt von Schweizern geführt. Bevor wir zum Trekking starteten, besuchten wir die Gedenkstätte in Yungai. Eine gewaltige Mure verschüttete den Ort am 31. Mai 1970. Ein Erdbeben löste den Gletscher an einer Seite des Huascaran und schob die Mure über die Stadt. 19000 Menschen kamen dabei um, nur 200 Kinder wurden verschont, weil sie im Nachbarort eine Zirkusveranstaltung besuchten. In Huaraz und dem umliegenden Gebiet starben damals 60000 Menschen. Heute stehen auf dem zugeschütteten Gelände von Yungay Kreuze, es wachsen kleinen Sträucher und Blumen. Am Rande des unseligen Ortes wurde ein Mahnmal mit den Gräbern errichtet.


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Eine wilde, etwas befestigte Straße führte an steilen Abhängen hinauf zum ersten Lagerplatz Cashapampa, 2900 m hoch. Abends tranken wir die letzten Biere und sprachen viel mit Nestor, dem Trekkingchef. Er hatte die gesamte Trekkingroute vorher mit dem Pferd erkundet und meinte, wir hätten von dem „Leuchtenden Pfad“ nichts zu befürchten.

Sechseinhalb Stunden gingen wir am nächsten Tag zum Lager am See Ichikqocha (3700 m). Es blühte unwahrscheinlich viel. Violett, gelb und rot dominierten. Überall wuchsen Kakteen, auch auf Bäumen.


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Am nächsten Morgen starteten Luis und ich um 8:30 Uhr im Eilschritt, da wir am künftigen Lager vorbei gleich den Nevado Sentillio (5100 m) mit besteigen wollten, der für die Allgemeinheit erst einen Tag später eingeplant war. Nach 6 Stunden standen wir am Gipfel und waren um 17:00 Uhr im Lager auf 4200 m. Luis und ich stiegen am Tag darauf auf eine namenlose Eiskuppe am linken Taleingang zum Alpamayo-Basislager, dessen winzige Zelte wir sahen. Unser Gipfel war 5240 m hoch. Den Rückweg durch die Felsen und Platten fanden wir nur sicher mit Hilfe vieler zusätzlicher Steinmänner, die wir aufgebaut hatten. Viereinhalb Stunden hinauf, drei hinab, ein anstrengender Tag.

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Alpamayo (5947m)

Sehr gemütlich zogen wir in zwei Stunden zum Pass Punta Union, 4750 m. Wir legten unser Gepäck ab und kletterten über den Grat zu einem weiteren namenlosen Gipfel, 5025 m hoch. Gleich nach dem Pass entdeckte Sigi zwischen Schneeresten die seltene rot-grüne Rima-Rima-Blüte, die Kindern gegeben wird, die nicht sprechen können.


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Der Weg ins Tal zum Lager auf 3700 m vor Huaripampa zog sich. Unsere Zelte standen im Grünen und wurden von einem Gebirgsbach umflossen. Wir mussten das Gelände mit einer Viehherde teilen und so sah auch der Boden aus. Am Abend stiegen wir zum Sonnenuntergang den Grasrücken hinauf, um den vom Lager nicht sichtbaren Chakraraju zu sehen.


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Wir verließen dieses Hochtal und der Bus brachte uns nach Vicos. Auf einem Fußballplatz bauten wir unsere Zelte auf (3200 m). Kurz vor 9 Uhr zogen wir am nächsten Tag zu unserem Basislager am Nevado Copa auf 4600 m.


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Das Hochlager errichteten wir auf 5200 m an einer sicheren Stelle auf dem Gletscher. Um 2 Uhr nachts rüsteten wir für den Aufbruch. Beim Gipfelaufstieg war es kalt für Füße und Hände. Mir als „erfahrenem“ Bergsteiger ausgerechnet ging nach zwei Stunden die Stirnlampe aus. Ich hatte eine schlechte Batterie dabei. Ersatz lag im Basislager. In der Dunkelheit trat ich oft neben die Spur. Das kostete mich eine ganze Menge mehr Kraft. Der Luis, die Renate, Sigi und ich gingen sowieso schon vorneweg. Im Steilhang merkte ich, dass es an die Substanz ging. Die Renate leuchtete dann mit ihrer Lampe gelegentlich meine Spur aus. So kam ich dann von Kehre zu Kehre besser voran. Nach der 6000-er Grenze wurde die Schritte noch langsamer. Da hatte ich das erlösende Gefühl: Wir werden es schaffen! Die letzten zehn Meter die scharfe Firnschneide hinauf wurde gesichert. War das ausgesetzt! Auf der Spitze stehe ich etwas wacklig. Was für ein Gipfelaufschwung!!!


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Die Wolken wälzten sich vom Amazonasbecken getrieben herauf. Es bildeten sich Hauben über den Gipfeln. Die Wolkenwalze trieb uns mit dem Wind hinunter zum Basislager. Am nächsten Morgen wehte ein Sturm über unser Basislager, der uns schnell vom Berg scheuchte. An diesem Tag wäre uns der Gipfel nicht geglückt. Der Weg nach Vicos hinab zog sich, zumal wir uns viel Zeit zum Fotografieren nahmen, zuerst die Blumen, dann in den Bauerngehöften.


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Von La Paz fuhren wir zum Zongo-Paß, 4750 m hoch. Zuvor jedoch sahen wir das Firmengelände, die Baracken und den Friedhof der Minenarbeiter. Zu drei Jahren Arbeit ließen sich die Männer verpflichten. Die Mineros sahen täglich über den Friedhof auf den vielleicht künftigen Ort ihrer Grabstätte.


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Huayna Potosi (6088m)

Bei unserem Aufstieg zum Hochlager (5200 m) des Huayna Potosi plagte ich mich mit Rucksack und Seil. Ich hatte einen schlechten Tag und die schlimmste Nacht. Nach dem Abendessen begann ich mich zu übergeben und Durchfall kam auch noch hinzu. So ging es die ganze Nacht hindurch: Zuerst am großen Felsen abstützen und erbrechen, dann ein paar Schritt weiter und Hose runter. Das bei minus 15 Grad und heftigem Wind. Da blieb mir für den Aufstieg zum Gipfel keine Chance. Erschöpft wackelte ich am folgenden Morgen hinab ins Basislager.


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Am Gipfel des Nevado Jawaka und der Huayna Potosi

Die Condoriri-Gruppe war dann meine Entschädigung. Von unserem Basislager in etwa 4700 m Höhe bestiegen wir 5 Fünftausender, darunter den einmaligen Alpamayo Chico. Am ersten Tourentag waren der Luis und ich lange vor den anderen los gezogen. Wir standen auf dem Nevado Condoriri (5320 m), überschritten den Gipfel, 100 m hinab und den einzigartigen Firngrat hinauf zum Alpamayo Chico (5430 m). Was für ein Berg bei so einem Wetter, ein Geschenk der Natur, unser schönster Berg in Südamerika!


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244_gipfelLuis und ich am Alpamayo Chico, Fotos: Sigi Hupfauer

Wir waren in hervorragender Form und stiegen gleich noch auf den Nevado Illision (5320 m), immer verbunden mit Auf- und Abstiegen. Diese Superlative setzte sich auch noch am nächsten Tag fort, auf dem Weg zum Nevado Jawaka (5420 m) und den Nevado Illision Chico (5230 m). Luis und ich legten die Spur durch den Gletscherbruch. Es gab eine 15-20 m hohe II-er Kletterstelle. Da hatten schon wieder alle anderen ihre Schwierigkeiten. Mit Steigeisen kletterten konnten unsere Millionäre nicht so gut. Ja ich weiß, dafür habe ich keine Million. Luis und ich benötigten kein Seil. Bitter steil stiegen wir die Firnfelder zum Gipfel hinauf. Wir standen auf der kleinen Wächte und fotografierten uns gegenseitig. Geschwind stiegen wir hinab zur Scharte, packten das Seil aus und stiegen zuerst auf den Zacken der Steigeisen, dann durch hüfttiefen Pulverschnee zum Illusion Chico. Insgesamt stand ich im Verlauf dieser Woche auf acht Fünftausendern und einem Sechstausender.

Diese viereinhalb Wochen 1989 gehören zu meinen schönsten Tagen in den Bergen. Dabei wohl meine liebste Tour in der Condoriri-Gruppe der Alpamayo Chico mit seinem atemberaubend steilen Grat. Und natürlich der ungeheuerlich ausgesetzte Eispilz des Nevado Copa. Der inzwischen nun auch leider schon ein Opfer der Erderwärmung geworden ist.

 

1981

besuchte ich zum ersten mal Peru und Bolivien. Neben umfangreichen Besichtigungen unternahmen wir ein Trekking zu der sagenhaften Inkastadt Machu Picchu. Start der Tour war bei Ollantaytambo. In den Bus stiegen einige Indios in bunter Tracht ein. Sie fuhren mit uns zum ersten Campingplatz, eine dreiviertel Stunde von Ollantaytambo entfernt. Die geräumigen 2-Personen-Zelte standen bereits, als wir gegen 18 Uhr ankamen. Der Tee war heiß, man sorgte wie in einem Hotel für uns. Es wurde langsam dunkel. Unsere letzte Nacht vor Beginn des Inkaweges nach Machu Picchu.


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Markt in Chinchero
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Am Morgen strahlte die Sonne. Sämtliche Lasten wurden auf die Träger verteilt. Wir trugen nur den minimalsten persönlichen Bedarf. Endlich um 8 Uhr begann die Wanderung. Der Bahnhof an unserem Campingplatz lag bei km 71. Der eigentliche Ausgangspunkt des Inka Trails lag bei km 88, 2200 m hoch am Urubamba. Wir starteten eine Tagesetappe früher. Über eine kleine Brücke gelangten wir auf die andere Flußseite. Der Urubamba war hier sehr schmutzig, denn er führte auch Cuzcos Abwässer mit sich. Aus dem Flusswasser schöpfte unser Koch für Getränke und Mahlzeiten. Wir hofften nur, dass stets ordentlich abgekocht wurde. Hinter den Häusern gingen wir einen sanften Hang hinauf, um dann eben dahinzuwandern. Staunend schauten wir auf die steilen Eiswände und Grate der Cordilliera Veronica, 5750 m hoch. Diese gewaltigen Eisberge!


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Der Pfad führte zwischen Kakteen entlang, unten rauschte der trübe Urubamba, daneben fuhr die Bahn, dahinter weitete sich das Tal, Bauernhöfe und Felder waren zu sehen. Sehr grün war es dort unten. Außer ein paar Indios war kein Mensch unterwegs. Die Touristen kamen erst in Llactapata. Nach 3 1/2 Stunden rasteten wir in einer kleinen Schlucht, durch die ein Gebirgsbach floss. Hier überholen uns die Träger, über zwanzig teils in farbenprächtige Stoffe gekleidete Indios aus dem Hochland.

Eine halbe Stunde gingen wir bis zu den Ruinen von Llactapata, die etwa 2600 m hoch lagen. Am Rande auf einer breiten Terrasse war genügend Platz für unsere gelben Zelte, die uns schon von Weitem auffielen. Das Tal war eng, die Berge steil und grün bewachsen. Ganz oben begannen kleine Schneefelder. Um 14 Uhr bereits erreichten wir die Zelte. Vom Zeltplatz sah man auf die erste Anhöhe, die es am kommenden Tag zu besteigen galt. In etwa 1 1/4 Stunden erreichten wir den kleinen Ort Wayllabamba, in dem es sogar eine Schule gab. Wayllabamba war das letzte Dorf vor Machu Picchu. Eine dreiviertel Stunde weiter hielten wir auf einer kleinen Lichtung Mittagsrast. Wir sahen immer mehr Menschen, Gruppen und Alleinreisende. Inzwischen waren bereits vier Touristengruppen unterwegs. Dazu kamen noch massenweise Träger. Die Menschenkarawane am morgigen Tag deutete sich schon an. Von unserem Rastplatz stiegen wir nun noch 1 1/2 Stunden steil hinauf zu unserem Lager in 3700 m Höhe. Wir zelteten gleich am Anfang der Wiese windgeschützt zwischen den Büschen. Man sah den Pass für morgen am Ende des Hochtales, 4100 m.


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Nach dem Zeltaufbau stiegen die beiden Stuttgarter und ich auf einen Grasrücken, vielleicht etwa 4000 m hoch. Wir erwarteten einen Blick auf den gepriesenen Navado Palcay, der sich aber leider in Wolken verhüllte. Wir waren zu flott unterwegs und die Rache folgte wie immer in der Nacht und am nächsten Tag. Beides wurde schlecht für mich. Ich hätte mich danach richten sollen, dass man in diesen Höhen langsam und gleichmäßig steigen soll. Aber auf diesem Grasrücken war mir die Höhe nicht zu Bewusstsein gekommen. Der Weg nach Runkurakay führte über den 4100 m hohen Pass. Ich war recht entkräftet und hatte erhebliche Schwierigkeiten. Aber das war noch nicht einmal das Schlimmste. Noch nie hatte ich an einem Wandertag so viele Menschen gesehen. Eine endlose Menschenschlange wälzte sich den Pass hinauf. Dazu: Nebel, Kälte, keine Fernsicht. Mit langen Pausen errreichten wir am frühen Nachmittag Runkurakay. Alle anderen hatten es eiliger. Nur noch eine Gruppe und ein paar Einzelne übernachteten mit uns an der Festung. Es gab auch nicht viel Platz um die Festung. Die Küchenzelte wurden in die alten Mauern gezwängt. Auch in Runkurakay war es neblig, nasskalt und windig. Einzige Möglichkeit blieb, in die Schlafsäcke zu kriechen. Bis zum Abendessen erholte ich mich so wieder ein wenig.

Die Nacht verlief gut für mich. Wir waren ja auch nur 3700 m hoch. Der alte Inkaweg hatte mit dem gestrigen Aufstieg über den Pass begonnen. Der Pfad war mit Steinplatten gepflastert, die tiefen Stellen wurden aufgemauert und so zog sich der Weg nahezu eben an den Berghängen entlang. Zuerst stiegen wir ein wenig aufwärts auf 3900 m. Sämtliche Berge waren wieder in Wolken. Schemenhaft sahen wir gelegentlich die Berghänge. Wir stiegen etwas hinab, erreichten bald den Urwald mit einzelnen Lichtungen. Eine steile, schmale Steintreppe führte an einer Felswand hinauf und nach wenigen Metern standen wir unverhofft vor den Ruinen von Sayamarka, 3600 m. Gerade im Nebel wirkten die Ruinen sehr eindrucksvoll. Die alten Mauern schwebten in den Wolken.


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Wir stiegen die Steintreppe hinab und tauchten wieder in den Urwald mit einem phantastischen Pflanzenreichtum für diese Höhe. Neben dem Pfad gab es immer wieder winzige Plätze, auf denen sich ein kleines Zelt errichten ließe. Später führte der Weg durch ein Tunnel zu einem Pass, von dem man in das Tal des Urubamba schauen konnte. Außer Nebel war nichts zu sehen. Bald erreichten wir Phuyupatamarka, 3500 m. Dann folgte auch schon unser letzter Tag auf dem Weg nach Machu Picchu. Diesesmal entschädigte uns ein wolkenloser Himmel schon um halb sieben Uhr in der Frühe. Peter verkündete das, ich beeilte mich, aus dem Schlafsack zu kriechen und schaute auf eine leuchtende Landschaft. Der Zeltplatz lag noch kühl im Schatten. Nach dem Frühstück stiegen wir nochmals den Grasrücken hinauf. Und da sahen wir staunend auf die Cordilliera Vilcabamba. Das alles konnten wir gestern nicht sehen! Tief unten das Band des Weges vom Vortag! Der Palcay, eine Eisspitze inmitten von Grün und Blau. Der riesige Salcantay, ein mächtiger Eisdom. Der Humantay und viele, viele andere Schneegipfel. Noch weiter entfernt und tief unten erspähten wir die Ruinen von Sayamarka.

Der Weg sollte weit werden! 1000 Höhenmeter stiegen wir einen staubigen, steilen Weg hinab nach Winay Wayna, 2650 m. Diese Ruinen fanden wir versteckt etwas abseits des Inka-Pfades. Wir rasteten nochmals. Zwei weitere Stunden benötigten bis Machu Picchu. Wir gingen einen Berghang entlang und gelangten wieder in dichten Wald. Jeder wußte, es konnte nicht mehr weit sein, wann sahen wir das erste mal die weltberühmten Ruinen? Eine Steintreppe, ein Stück durch den Wald, wieder eine Treppe, ein Tor glänzt in der Sonne und dann dieser Blick: Das lang ersehnte Machu Picchu! Man konnte nur stumm stehen bleiben und schauen und nochmals schauen.


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Der Weg führte gleichmäßig hinab bis wir vor den ersten Terrassen standen. So war Machu Picchu auf Postkarten und Kalendern abgebildet! Leider war es bereits 15 Uhr, wir hatten wenig Zeit für eine erste Erkundung der Ruinen. Der letzte Bus fuhr eine halbe Stunde später ins Tal, damit die Touristen den Zug nach Cuzco um 16 Uhr erreichen konnten. Wir gingen von der Bahnstation etwa 300 m zu einem Sportplatz auf dem unsere Zelte standen. Nach dem Abendessen hatte Peter eine hervorragende Idee: Wir wanderten nach Aquas Caliendes, einem kleinen Ort mit warmen Schwefelbädern. Dorthin gab es keine Straße, wir gingen auf den Bahngleisen entlang. Wir sahen noch die Holzschwellen und die tiefen Löcher dazwischen. Zwei kurze Tunnels mussten durchschritten werden. Aber Peter wusste: Um diese Zeit fuhr kein Zug mehr. Stockfinster wurde es, als wir den Ort erreichten. Die Gleise zogen sich mitten durch das Dorf. Am Bahnsteig reihte sich eine Kneipe an die andere. Manche boten Übernachtungsmöglichkeiten. Wir gingen hinauf zu den Quellen. An einer kleinen Holzhütten zahlten wir Eintritt. Man konnte sich nicht verlaufen, sondern brauchte nur dem Schwefelgeruch zu folgen. Es gab zwei kleine Schwimmbecken und einige Umkleidekabinen. In einem freien Raum legten wir unsere Kleider ab. Das Becken befand sich davor und so hatten wir alles im Blick. Ein Becken war warm, das Zweite recht heiß. Trotz des Gestankes war der Reinigungseffekt enorm. Das dachten auch die Indios und so badete ein bunt gemischtes Völkchen. Gut gelaunt traten wir den Rückweg an, vorerst nur bis zu den Kneipen am Bahnsteig. Wir tranken etliche Cervezas, Schwefelwasser machte durstig. Die Schienen leiteten uns dann zielstrebig und sicher zu unserem Campingplatz. Ein sehr ausgefüllter Tag.


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Auf dem Markt in La Paz