Reisen zu den Bergen, Landschaften und Menschen.
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Joachim Reuter  
Meine Reiseerzählungen



Anfang September flogen wir für zehn Tage nach Schottland. Zum ersten mal Linksverkehr in einem Mietwagen mit dem Steuerrad verkehrt. Aber das funktionierte ganz gut, nachdem wir den Randstein links zu Beginn ab und zu streiften.

Wir hatten nur ein paar Blicke auf Schottland. Wir waren uns einig, dass wir einen tollen Urlaub verbracht hatten in einem Land mit freundlichen Menschen. Einem grünen, landschaftlich sehr schönen Land. Dazu bei sonnigem Herbstwetter. Und das war eine ganze Menge – mehr als wir erwartet hatten.




Schottland

Mit einer Boeing 737 der Ryanair flogen wir von Frankfurt-Hahn in 1 ¾ Std. nach Glasgow Prestwick. Mit einem gemieteten, nagelneuen Ford Fiesta überantworteten wir uns dem Linksverkehr. Nach zwei Tagen sollte das gut funktionieren, nachdem wir uns an den nötigen Abstand nach links zur Straßenbegrenzung gewöhnt hatten (der Fahrer saß ja rechts im Auto). Prestwick und Ayr sind zwei zusammenhängende Städte. Wir suchten eine Übernachtung zuerst auf einer Farm in Dunure. Die war belegt, wie auch eine Pension, die eine ganz besondere Aussicht auf die Ruine und das Meer von Dunure bot. Da wir nun schon ziemlich weit südlich gefahren waren, versäumten wir es nicht, das Culzean Castle (nur von außen, da es schon zu spät für eine Besichtigung war) anzuschauen. Später fanden wir ein nicht so besonders gut eingerichtetes Bed&Breakfast mit Etagendusche und ebensolcher Toilette. Zumindest war nebenan ein Pub, in dem wir gegen 21 Uhr noch etwas zu essen erhielten.



Dunure Castle

Eine lange Autofahrt erwartete uns, obwohl wir kein endgültiges Ziel eingeplant hatten. Wir fuhren an der Küste entlang über Largs und Grennock am Rand von Glasgow vorbei über Dumbarton zum Loch Lomond. Und dort beginnt die schottische Landschaft, wie man sie sich vorstellt. Es gibt viele Rastplätze an der Straße. Wir bogen dann ab bei Tarbet nach Inverary zum gleichnamigen Castle. Das schauten wir uns auch nur von außen an. Das Dorf ist hübsch. Wir waren da um die Spät-Mittagszeit. Es fuhr sich gut. An Kilchum Castle vorbei Richtung Oban und Fort William. Dort ist die letzte Touristenhochburg (der höchste Berg Schottlands zieht alles in seinen Bann). Wir wollten da nicht übernachten. Inzwischen gibt es sogar eine Gondelbahn auf den Ben Nevis mit Skigebiet. Es regnete gelegentlich und wir konnten nicht viele Berge sehen. Dann fuhren wir Richtung Mallaig. Dort gibt es eine Fähre, die wir am nächsten Morgen zur Insel Skye nehmen wollten. Es wird immer einsamer bewohnt, aber es gibt überall genügend Hotels – wenn man will – und Tankstellen. Wir übernachteten in Arisaig im Hotel. Wir bezogen ein schönes Zimmer mit Meerblick. Das Speiselokal und die zwei Pubs waren überfüllt.



Küste vor Mallaig

Die Fähre von Mallaig zur Isle of Skye legte um 9:35 Uhr ab. Vorher sahen wir noch einen tollen, so niemals erwarteten weißen, feinen Sandstrand mit ganz klarem, blauen Wasser. Es war fantastisch und es fehlten nur noch die Palmen. Am Hafen von Mallaig gibt es alles: Unterkünfte, Tankstelle, eine Wandererunterkunft, Supermarkt. Die Fähre fährt eine halbe Stunde. Es gab keine Wellen und nur Sonnenschein. Die Überfahrt kostete 20 Pfund für das Auto mit 2 Personen.



Hafen in Mallaig

In Armadale auf der Insel Skye gibt es erstmal gar nichts mehr. Die Single-Track-Roads mehren sich. Broadford ist die nächste kleine Stadt mit einer schönen Bucht und vielen Unterkünften. Wir fuhren über Portree nach Ulig. Wir fanden eine schmale Straße zum Meer und aßen dort unsere Brotzeit. Bevor wir das Hotel Duntulm Castle erreichen, schauen wir uns noch das Museum in Lilmuir an, ein Freilichtmuseum mit ganz alten Steinhäusern.



Danach wanderten wir ein wenig zur Ruine und den Strand entlang über die kleinen Hügel zurück zum Hotel und das wurden dann zweieinhalb Stunden. Ein ganz toller Spaziergang bei bestem Wetter und ebensolcher Sicht auf das Meer. Wir hatten das Hotel meistens im Blick. Der Pfad war oft schmal und nicht immer leicht ersichtlich. Aber es funktionierte. Ein herrlicher Nachmittag in Schottland. Der Weg endete bei einer Schaffarm und führte dann ein Stück die Straße zurück.



Vom Hotel Duntulm Castle

Am nächsten Tag luden wir eine Anhalterin ein mitzukommen. Diese nicht mehr ganz so junge Dame stammte aus Argentinien. Sie hatte ein "schweres" Bein und viel Mut, weil sie allein unterwegs war mit Bus und per Anhalter und Gepäck. Am Sonntag fahren jedoch hier oben keine Busse und sie war auf ein Fahrzeug angewiesen. Wir hielten an den Klippen von Kilt Rock und danach am Old Man of Storr. Da wollten wir hinauf und unserem Fahrgast gelang es bald wieder an der Straße weiterzukommen. Wir wanderten eine dreiviertel Stunde hinauf zur Felsnadel des "Old Man of Storr" und sahen dann auch das Gesicht des alten Mannes. Nächster Stop war der Hafen von Portree. Mit kleinen Hotels und Kneipen. Wenn es geht, sollte man da übernachten. Wir fuhren über die neue Brücke für 6 Pfund aufs "Festland". Eilan Dunan Castle ist der Touristen-Ort mit Postkartenblick und vielleicht meist fotografiertem Castle.



Eilan Dunan Castle

Wir fuhren weiter nach Norden. Das Loch Maree ist von unglaublich schöner Landschaft eingerahmt. Auch hierfür sollte man mehr Zeit haben. In Gairloch am Hafen suchten wir eine Unterkunft und fanden ein B&B für 19 Pfund in völlig neu renovierten Zimmern mit Dusche und WC. An der Straße liegt das Old Inn. Dort saßen wir erst in der kleinen Gartenwirtschaft und gingen dort auch später zum Essen. Wir schauten nach dem Sonnenuntergang am Meer und fuhren danach noch ein wenig am Meer entlang durch den Hauptort von Gairloch bis zum Ende der Straße, an der ein ganz toller Campingplatz gelegen ist. Den Abschlußwhisky nahmen wir wieder im Old Inn.

Inverewe Garden ist fantastisch. Ein Garten mit so viel Pracht, wie man ihn sich hier oben nie vorstellen kann. Der Golfstrom macht das möglich. Wir brauchten eineinhalb Stunden nur um alles anzusehen und herumzugehen. Es kostet 5 Pfund Eintritt und das ist es auch wert.



Unsere Fahrt führte entlang Loch Ewe, Gruinard Bay (da hat es wieder etwas Sandstrand) und Little Loch Broom. Zu den Falls of Measach und schließlich dem Trouristenzentrum Ullapool. Es trübte sich ein. Der fantastische Tag von gestern war uns nicht ein zweites mal gestattet. In Ullapool angekommen waren wir uns fast gleichzeitig sicher, dass wir da nicht übernachten wollten. Zunächst hatten wir auf der Fahrt von den Wasserfällen hierher keinen Platz für eine Mittagspause am Meer gefunden, da überall Privatgelände war. Erst in Ardmair konnten wir am Meer sitzen.



Kurz bevor wir wieder nach Ullapool hineinfuhren, fanden wir an der linken Straßenseite B&B. Auch wieder neu renoviert mit einem ganz tollen Bad. Am Nachmittag waren wir in Ullapool, tranken etwas im Ferry Boat und aßen später Lobster im Moorfield Motel, vielleicht das beste Fischrestaurant im Ort. Wir blieben zwei Tage in Ullapool und waren auch am nächsten Abend wieder im Moorfield essen. Nachts regnete es bis zum Frühstück. Die ersten blauen Flecken zeigten sich am Himmel und so konnten wir unsere 4-stündige Bootsfahrt hinaus zu den Summer-Islands beginnen. Die startete um 10 Uhr. Die "Summer Queen" war nahezu voll besetzt inclusive einer bayrischen Schulklasse, die hier wohl ihre Abschlußfahrt machte. Ein paar junge Leute meinten, in Schottland sei es stinklangweilig. Und die Jungen konnte man verstehen. Sie wären wohl besser in London untergebracht. Wir sahen einige Seehunde, viele Vögel und ganz am Schluß im Loch Broom einige Delphine. dass Wale zu sehen wären, hielten wir eher für einen Reklame-Gag der Gesellschaft. Nach der Fahrt saßen wir an der Kreuzung am Hafen auf der Terrasse des Pubs in der warmen Sonne. Später fuhren wir mit dem Auto über Ardmair bis Drumrune Richtung Linneraineach. Am Loch Lurgainn spazierten wir eine Stunde entlang. Der Pfad war wie immer undurchsichtig. Es führen sogar Wanderwege auf den markanten Gipfel gegenüber oder ein Stück weiter über ein Joch hinter diesen Berg. Man muß nur suchen und findet bestimmt auch ohne Karte einen Weg.



Die sonnigen Tage gingen vorüber. Ein ordentlicher Wind wühlte das Meer auf und es regnete heftig. Wir verliessen Ullapool Richtung Inverness. Erst dort besserte sich das Wetter etwas, es regnete jedoch wieder, als wir zur Castle-Besichtigung in Cawdor gingen. Die Räume sahen frisch renoviert aus. Die Einrichtung war sehr gepflegt. Es sah eher aus wie bewohnt und nicht antik. Weiter fuhren wir, bis wir vor Pitlochry das Blair Castle erreichten. Auch dieses Schloß besichtigten wir und es sah endlich schottisch aus. Hier geht alles mindestens bis ins Jahr 1500 zurück.



In Pitlochry suchten wir die Whiskey-Destillery Edradour. Fanden sie auch nach einigem Suchen. Wir nahmen an einer zum Glück deutschen Führung teil und erstanden auch eine Flasche für 25 Pfund aus der kleinsten offiziellen Destillery Schottlands, einem Familienbetrieb.

Zuerst wollten wir an diesem Tag nicht gleich zum Übernachten bis Edinburgh fahren. Wir fanden jedoch vorher kein Quartier und nahmen schließlich, nachdem wir Edinburg durchfahren hatten, an der ersten Einfallstraße ein B&B bei netten Leuten für zwei weitere Nächte. Auch hier war die Dusche, wenn auch kleiner, renoviert. Ein Pub war zehn Minuten entfernt und endlich gab es dort einmal Fish&Chips. Es regnete morgens wieder. Wir besichtigten Edinburgh zu Fuß. Das Wetter besserte sich am Nachmittag bis zum Sonnenschein. Die meiste Zeit waren wir um die Royal Mile unterwegs. Dann saßen wir unten im Park und haben ein Bier im Hard Rock Cafe genommen. Schließlich waren wir das Laufen leid, fuhren mit dem Bus zurück zum Hotel und von dort mit dem Auto an den Hafen zur königlichen Yacht Britannia. Zum Besichtigen muß man sich anmelden. Wir waren sowieso zu spät, und wenn man die Postkarten anschaut, reicht das eigentlich. Die Räume sind wahrlich königlich.





Um Glasgow zu umgehen, fuhren wir direkt nach Kilmarok. Das ging wirklich gut, kaum Lkw und in den Dörfern war doch ein wenig zu sehen. Wir dachten, dass wir in Troon Unterkunft finden konnten, aber es gab kein Zimmer oder wir sahen es nicht. Auch Irvine war uns nicht hold. So kamen wir wieder nach Prestwick und fanden ein B&B nach einiger Zeit, da im Ort wegen zwei Sportveranstaltungen viel belegt war. Mittags aßen wir im Flangans Fish+Chips. Das reichte dann auch. Am Nachmittag fuhren wir noch einmal nach Dunure und gingen zum Castle. Zur Happy Hour jedoch fanden wir uns wieder bei Flanagans ein.

Am nächsten und letzten Tag blieb uns nicht mehr viel Zeit. Wir waren gleich am Flughafen, gaben das Auto ab und flogen um 11:30 Uhr zurück nach Hahn. Das Flugzeug der Ryanair war wieder nicht ganz neu, aber wir landeten glücklich und so hatte sich der günstige Flug letztendlich doch rentiert.

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